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Mickey & The Soul Generation – Zu wild zum Vergessen

Was haben James Brown, DJ Shadow und die Entstehung des Acid Jazz gemeinsam? Eine fast vergessene Funkband aus San Antonio: Mickey & The Soul Generation. Ihr wilder Sound schlug Wellen, die weit über Texas hinausreichten.

Micky and the Soul Generation

Funk aus Texas, roh und ungefiltert

San Antonio, Ende der Sechziger. Während James Brown den Funk revolutionierte und Motown die Charts eroberte, entwickelte sich in Texas ein Sound, der deutlich dreckiger klang. Mittendrin: Mickey & The Soul Generation.

Angeführt von Mickey Foster spielte die Band einen explosiven Mix aus treibenden Rhythmen, messerscharfen Bläsersätzen, verzerrten Gitarren und schweren Orgelgrooves. Stücke wie Iron Leg und Get Down Brother klangen nicht nach poliertem Motown-Soul, sondern nach überhitzten Verstärkern und schweißnassen Clubnächten.

Mit den Großen auf der Bühne

Die Band teilte sich Bühnen mit James Brown, Sam & Dave und den Supremes. Doch der Glanz der großen Namen täuschte. Während die Stars gefeiert wurden, kämpften Mickey & The Soul Generation mit den Härten des Touralltags, finanziellen Schwierigkeiten und einer Musikindustrie, die wenig Platz für eine kompromisslose Funkband aus Texas ließ.

Trotz ihrer Livequalitäten blieb der große Durchbruch aus. Ihre Singles verschwanden in den Plattenkisten, die Band schließlich weitgehend aus dem öffentlichen Bewusstsein.

Eine Funk-Single und die Geburt des Acid Jazz

Hier wird die Geschichte besonders interessant. Jahrzehnte später tauchte die Musik von Mickey & The Soul Generation in britischen Clubs wieder auf.

DJ und Acid-Jazz-Pionier Gilles Peterson brachte die Band mit einer Anekdote aus der Londoner Clubszene in Verbindung: Ein ungewöhnlich gespielter Funk-Track von Mickey & The Soul Generation soll zu jenem musikalischen Umfeld gehört haben, in dem der Begriff Acid Jazz entstand.

Ob daraus tatsächlich die Namensgebung hervorging, ist nicht zweifelsfrei belegt. Doch die Verbindung zeigt, wie weit dieser rohe Texas-Funk über seine ursprüngliche Zeit hinauswirkte.

Was Ende der Sechziger auf kleinen Labels erschien, passte plötzlich zu einer neuen Generation von DJs, die Jazz, Funk, Soul und Hip-Hop ohne Genregrenzen zusammendachten.

DJ Shadow gräbt tiefer

Auch DJ Shadow gehörte zu denjenigen, die das vergessene Material wiederentdeckten. Der Hip-Hop-Produzent und leidenschaftliche Plattensammler setzte sich für die Wiederveröffentlichung der Aufnahmen ein.

2004 erschien bei Numero Group die Compilation Iron Leg: The Complete Mickey & The Soul Generation, die den wilden Funk der Band einer neuen Hörerschaft zugänglich machte.

Und plötzlich klang Musik, die Jahrzehnte in Vergessenheit geraten war, erstaunlich gegenwärtig.

Mickey & The Soul Generation waren vielleicht nie die Stars ihrer Zeit. Aber ihre Platten erzählen eine andere Geschichte: von Funk ohne Sicherheitsnetz, von musikalischen Grenzgängern und von Grooves, die sich auch nach Jahrzehnten nicht zähmen lassen.

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