VRUST – Hanseatisch miese Laune

vrust© vrust band
VeB, Willy-Brandt-Allee 9, 23554 Lübeck-Lübecker Altstadt
Samstag, 29.8.2026 um 18:00 Uhr

Hamburg, Lübeck, St. Pauli – und irgendwo dazwischen geht gerade die Welt unter. Zumindest klingt es so, wenn VRUST ihre selbstbetitelte erste EP anschmeißen.

Das Trio aus Timo an Gitarre und Vocals, Henning an Bass und Vocals und Lynn an Schlagzeug und Vocals bewegt sich dort, wo Crust-Punk, Death Metal, Black Metal und Hardcore mit ordentlich Anlauf ineinanderkrachen. Keine sterile Hochglanzproduktion, kein unnötiges Gefrickel, sondern knapp 20 Minuten düsterer Krach mit Druck, Atmosphäre und hanseatisch mieser Laune.

Fünf Songs haben VRUST auf ihr Debüt gepackt. Schon der Opener „Hope and Despair“ macht klar, dass hier eher nicht über Sonnenschein und Wochenendausflüge gesungen wird. Blastbeats treffen auf D-Beat, Tremolo-Gitarren auf einen Bass, der ordentlich untenrum schiebt. Dazu teilen sich alle drei Mitglieder die Vocals – und gerade dieser Wechsel der Stimmen gibt den Songs noch einmal eine zusätzliche Portion Unruhe und Wucht.

Dabei ist VRUST keineswegs zwanzig Minuten Dauerfeuer. Immer wieder nehmen sich die Stücke Zeit für langsamere, beinahe sphärische Passagen, bauen Spannung auf und lassen zwischen all dem Gerumpel kurz etwas Luft herein – allerdings nur, um sie einem anschließend wieder aus der Lunge zu prügeln. Beim Bandstück „Vrust“ wird das stellenweise sogar ziemlich episch.

Die Grundstimmung bleibt trotzdem konsequent finster. Hoffnungslosigkeit, nukleare Verseuchung, Niedergang, Abgrund – lyrisch wird hier nicht gerade der nächste Sommerhit vorbereitet. Oder anders gesagt: Wer morgens schon findet, dass die Menschheit eigentlich ganz gut unterwegs ist, bekommt von VRUST knapp 20 Minuten Gegenargumente geliefert.

Musikalisch wurden in bisherigen Besprechungen Namen wie Tragedy, Finisterre, Maskari, Hellshock, Disfear oder Celeste in den Raum geworfen. Das passt als grobe Orientierung, trifft die Sache aber nur teilweise. Denn trotz der deutlich hörbaren Einflüsse wirken VRUST nicht wie eine Band, die sich krampfhaft an einem bestimmten Genre entlanghangelt. Crust ist drin, Death Metal ebenso, Black Metal sowieso – und hier und da schleicht sich sogar etwas Post-Metal in die längeren Passagen.

Aufgenommen wurde die EP von Joso bei Bombrec Recording, Mix und Master stammen von Florian Zeh. Der Sound bleibt dabei erfreulich roh und dreckig. Genau richtig für Musik, bei der zu viel Politur vermutlich eher Sachbeschädigung wäre.

Und vielleicht ist genau das die Stärke von VRUST: Die Band versucht gar nicht erst, aus fünf Songs eine Wissenschaft zu machen. Das Debüt klingt direkt, konzentriert und erstaunlich geschlossen. Mal wird geprügelt, mal geschleppt, mal flirren die Gitarren schwarzmetallisch durch die Gegend – ’n büschen gemütlich geht jedenfalls anders.

Kurz gesagt: Musik für Menschen, die beim Begriff „Lust auf die Apokalypse“ nicht sofort widersprechen.

Die selbstbetitelte EP gibt es digital über vrust.bandcamp.com für 3 Euro. Wer lieber etwas in der Hand hat, bekommt das Ganze auch auf Kassette für 6 Euro – limitiert auf 50 Stück.

VRUST
Timo – Gitarre / Vocals
Henning – Bass / Vocals
Lynn – Drums / Vocals

Booking: bandvrust@gmail.com