Soul hat Falten, Feuer und einen Namen: Lee Fields live in Hamburg
James Brown ist Geschichte, Sharon Jones und Charles Bradley fehlen schmerzlich. Aber einer steht noch immer auf der Bühne und zeigt, wie echter Soul klingt: Lee Fields. Am 16. Februar 2027 kommt die lebende Soul-Legende in den Hamburger Mojo Club.

Ein Leben für den Soul
Manche Musiker brauchen keine große Show, keine Pyrotechnik und schon gar keinen digitalen Schnickschnack. Ein Mikrofon, eine verdammt gute Band und eine Stimme, die Geschichten erzählen kann – mehr braucht Lee Fields nicht.
Seit den 1960er-Jahren steht der Mann aus North Carolina auf der Bühne. Damals noch in kleinen Clubs und Juke Joints, heute auf internationalen Konzertbühnen. Seine Stimme erinnert nicht zufällig an James Brown. Der Einfluss des Godfather of Soul brachte Fields einst den Spitznamen „Little JB“ ein. Doch wer ihn darauf reduziert, hat nicht richtig hingehört.
Denn Lee Fields hat längst seinen eigenen Sound gefunden. Eine Mischung aus tiefem Southern Soul, knochentrockenem Funk, rauem Rhythm & Blues und jener unnachahmlichen Wärme, die sich nicht am Computer zusammenschrauben lässt.
Vom Beinahe-Aus zur Soul-Legende
Dabei hätte die Geschichte ganz anders ausgehen können. Als in den Achtzigern Synthesizer und Drum Machines den klassischen Soul zunehmend verdrängten, zog Fields beinahe den Stecker. Er arbeitete in der Immobilienbranche und dachte ernsthaft daran, die Musik hinter sich zu lassen.
Zum Glück hatte seine Frau etwas dagegen. Ihr Rat: Bleib bei dem, was du kannst.
Und verdammt, das hat er getan.
In den Neunzigern entdeckte ihn die New Yorker Soul-Szene wieder. Über Desco Records, Truth & Soul und später Big Crown Records fand Fields zurück ins Rampenlicht. Mit Alben wie My World (2009), It Rains Love (2019) und Sentimental Fool (2022), erschienen bei Daptone Records, bewies er eindrucksvoll, dass Soul keine nostalgische Museumsveranstaltung sein muss.
Seine Musik ist so zeitlos, dass selbst Hip-Hop-Größen wie J. Cole und Travis Scott seine Songs sampelten. J. Cole hielt die Aufnahmen sogar für alte Soul-Klassiker aus den Sechzigern. Ein schöneres Kompliment kann man einem Musiker wohl kaum machen.
Keine Retro-Show, sondern echtes Leben
Lee Fields gehört zu jener selten gewordenen Spezies von Musikern, denen man jede Zeile abnimmt. Wenn er von Liebe, Hoffnung, Verlust und Menschlichkeit singt, klingt das nicht nach auswendig gelernten Phrasen, sondern nach einem Leben voller Höhen und Tiefen.
Er hat Sharon Jones auf ihrem Weg begleitet, Charles Bradley unterstützt und die großen Veränderungen der Soulmusik selbst miterlebt. Während viele seiner Weggefährten längst nicht mehr unter uns sind, hält Fields die Fahne hoch.
Und live? Da wird aus einem Konzert schnell eine Soul-Messe. Seine Songs sind voller Leidenschaft, seine Stimme rau und zugleich unglaublich gefühlvoll. Mal schmiegt sich der Groove sanft an die Seele, mal fährt der Funk direkt in die Beine.
Wer bei diesem Mann stillstehen kann, sollte dringend seinen Puls überprüfen lassen.
Hamburg, mach dich bereit!
Am 16. Februar 2027 macht Lee Fields im Mojo Club auf der Reeperbahn Station. Ein passender Ort für einen Musiker, dessen Sound gleichermaßen nach verschwitzten Clubs, alten Vinylsingles und der goldenen Ära des Soul klingt.
Der Goldbutt empfiehlt: Tanzschuhe putzen, Taschentuch einpacken und die Ohren auf Empfang stellen.
Denn Lee Fields ist keine Retro-Kopie. Er ist das Original. Und das hat immer noch verdammt viel Soul im Tank.


