Polka, Punk und ein Kiah Royal
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Seit fast zwei Jahrzehnten zeigen LaBrassBanda, dass Blasmusik weder Bierzeltpflicht noch Staubschicht braucht. Die Band aus dem Chiemgau wirft bayerische Bläser, Ska, Reggae, Hip-Hop, Techno und Rock in einen Topf und dreht die Temperatur anschließend so lange hoch, bis vor der Bühne niemand mehr stillsteht.
Los ging das Ganze 2007 als musikalische Revolte gegen die eherne Ordnung der bayerischen Blasmusik. Schon die ersten Alben „Habediehre“ und „Übersee“ machten deutlich, dass hier zwar Lederhosen getragen werden, musikalisch aber keine reine Traditionspflege betrieben wird. Spätestens mit ihrem Auftritt beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2013 und dem Song „Nackert“ war die Band auch außerhalb Bayerns angekommen. Sprachbarrieren spielten dabei kaum eine Rolle – wenn LaBrassBanda loslegen, versteht man die Botschaft ohnehin über den Körper.
Das Punkige an LaBrassBanda steckt weniger in verzerrten Gitarren als in ihrer Haltung: Die Band ignoriert Genregrenzen, behandelt bayerische Blasmusik respektlos liebevoll und spielt ihre Konzerte mit der ungebremsten Energie einer Punkband. Tuba, Trompeten und Dialekt werden dabei nicht als Folklore ausgestellt, sondern in einen wilden Mix aus Ska, Techno, Hip-Hop und Rock geschleudert.
Es folgten ausverkaufte Hallen, internationale Tourneen und Auftritte auf Festivals wie Hurricane und Southside. Für das 2014 erschienene Album „Kiah Royal“ zog sich die Band sogar in einen Kuhstall zurück. Gäste wie Rocko Schamoni, Christoph Well und Stephan Remmler passten erstaunlich gut in diesen bewusst schrägen Kosmos zwischen Dorfkapelle, Punkclub und großer Festivalbühne.
Mit „Polka Party“ erschien 2025 das bislang jüngste Album der Band. Schon die Vorabsingles zeigten, wie breit LaBrassBanda inzwischen aufgestellt sind: „Goaßnmaß“ feiert Freundschaft und gesellige Eskalation, während „Teufelstanz“ ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung setzt. Auf „Space Bäda“ trifft bayerischer Brass schließlich auf den Rap von Roger Rekless. Das handgemalte Aquarell auf dem Cover stammt vom Künstler Tobias Rehberger.
Live bleibt die Band ohnehin eine sichere Bank. Trompeten und Posaunen jagen durch Ska-Rhythmen, die Tuba übernimmt den Bass und Schlagzeuger Manuel da Coll hält den ganzen Laden zusammen, während Frontmann Stefan Dettl die Menge antreibt.
Da Coll ist allerdings nicht nur bei LaBrassBanda aktiv. Unter dem Namen Captain Yossarian arbeitet er als Produzent, Musiker und Dub-Soundman. Auf seinem aktuellen Album „Fela Kuti in Dub“ bringt er den politischen Afrobeat von Fela Kuti mit tiefen Bässen, Echokammern und jamaikanischem Dub zusammen.
Mehr über das Album und seine vier ausgedehnten Fela-Kuti-Neuinterpretationen gibt es in unserem Goldbutt-Artikel „Fela in der Echokammer“.
Vorprogramm: Fäaschtbänkler