Gurriers – Niemand kommt, um euch zu retten. Zum Glück.

gurriers
Betty , Hamburger Berg 13, 20359 Hamburg
Montag, 30.11.2026 um 20:00 Uhr

Es gibt Albumtitel, die möchten dir eine Hand reichen. Und dann gibt es „Nobody’s Coming To Save You“. Danke für nichts, Gurriers. Oder besser: Danke genau dafür.

Die irische Band hat schon mit ihrem Debüt „Come And See“ gezeigt, dass aus Dublin gerade nicht nur elegante Postpunk-Posen kommen, sondern Bands, die wirklich nach Druck, Dreck und Dringlichkeit klingen. Auf ihrem zweiten Album drehen Gurriers genau daran weiter. Alles ist größer, härter, dichter. Nicht glatter. Eher so, als hätte jemand die rostige Säge frisch geschärft.

Der Titeltrack macht direkt klar, wo hier die Reise hingeht: Spannung, Bassdruck, Gitarrenlärm, ein Sänger, der nicht singt, um dich zu beruhigen, sondern um dich wachzurütteln. Dan Hoff klingt, als hätte ihm jemand gerade erklärt, dass die Welt leider genauso kaputt ist, wie sie aussieht. Und die Band antwortet nicht mit Trost, sondern mit Krach.

„Party Lines“ schiebt dann den Dance-Punk durch eine kaputte Verstärkerwand. Es groovt, aber es grinst nicht. Die Nummer hat Beine, aber auch Zähne. Das ist keine Musik für den gepflegten Indie-Abend mit Naturwein und bemühten Vergleichen. Das hier will schwitzen, stolpern, rempeln.

Besonders stark wird „Nobody’s Coming To Save You“, wenn Gurriers nicht nur frontal angreifen, sondern Spannung aufbauen. „Drones“ ist so ein Monster: über fünf Minuten lang, dunkel, lauernd, langsam anschwellend. Die Band kann nicht nur draufhauen. Sie kann auch warten. Und genau das macht es fast fieser.

Natürlich kann man hier die üblichen Koordinaten nennen: Gilla Band, Fontaines D.C., IDLES, vielleicht etwas The Fall im Rückspiegel. Aber Gurriers sind keine weitere Band, die sich brav in die große irische Postpunk-Welle einreiht. Dafür sind sie zu unruhig, zu direkt, zu wenig dekorativ. Diese Platte klingt nicht nach Szene, sondern nach Notwendigkeit.

Produziert wurde das Album mit Mark Bowen von IDLES und Loren Humphrey, gemischt von John Congleton. Das liest sich wie ein ziemlich passender Lärm-Lebenslauf. Entscheidend ist aber: Die Platte klingt nicht nach Produzenten-Schaufenster. Sie klingt nach Band. Nach fünf Leuten, die genau wissen, wann sie zusammen explodieren müssen.

Und ja, der Titel ist hoffnungslos. Aber die Musik ist es nicht. Denn unter dem Lärm steckt Trotz. Vielleicht sogar so etwas wie Resthoffnung. Nicht die hübsche Sorte mit Kerze und Kalenderblatt. Sondern die, die übrig bleibt, wenn man alles andere schon angeschrien hat.

„Nobody’s Coming To Save You“ ist kein Rettungsplan. Es ist eher eine Fluchtroute. Durch Feedback, Beton, Erschöpfung, politische Ohnmacht und den schönen Moment, wenn im Club plötzlich alle gleichzeitig wissen: Okay, jetzt fliegt hier gleich was auseinander.

Niemand kommt, um euch zu retten?

Mag sein.

Aber Gurriers kommen vorbei und treten wenigstens die Tür ein.