DITZ – Never Exhale: Ein Jahr später immer noch ordentlich Gegenwind

ditz cover never exhale

Moin aus Brighton! DITZ haben mit „Never Exhale“ bereits Anfang 2025 eine Platte rausgehauen, die klingt, als würde ein rostiger Fischkutter bei voller Fahrt durch einen Orkan geprügelt. Laut, kantig, unberechenbar und garantiert nichts für Freunde gepflegter Hintergrundbeschallung.

Die fünfköpfige Band aus Brighton gehört zu jener britischen Post-Punk-Brut, die sich einen feuchten Kehricht um radiotaugliche Gefälligkeiten schert. Nach ihrem Debüt „The Great Regression“ (2022) legten DITZ mit „Never Exhale“ noch eine ordentliche Schippe Krach nach. Wobei Krach allein zu kurz greift: Hinter den schroffen Gitarren, dem knurrenden Bass und den nervös zuckenden Rhythmen steckt mehr musikalischer Grips, als der erste Zusammenstoß vermuten lässt.

Schon der Opener „V70“ macht klar, wohin die Reise geht. Statt freundlicher Begrüßung gibt es eine bedrohlich anschwellende Geräuschkulisse, bevor „Taxi Man“ mit schwerem Groove und sägenden Gitarren die Tür endgültig eintritt. Frontperson C.A. Francis pendelt zwischen unterkühltem Sprechgesang, genervtem Gemurmel und eruptivem Geschrei. Das hat etwas von The Fall auf Kollisionskurs mit The Jesus Lizard – und zwischendrin grüßt der Geist von Steve Albini.

Mit „Space/Smile“ wird das Tempo angezogen, während „Senor Siniestro“ seine Spannung aus einem wunderbar unangenehmen Wechselspiel zwischen Zurückhaltung und brachialer Entladung bezieht. DITZ verstehen es, ihre Songs gerade so lange an der Leine zu halten, bis einem der Krach mit voller Wucht um die Ohren fliegt.

Besonders schön hässlich gerät „God on a Speed Dial“. Nervöse Gitarren, hektische Rhythmuswechsel und ein herrlich kaputter Drive machen den Song zu einem der Höhepunkte der Platte. Das folgende „Smells Like Something Died in Here“ nimmt sich mehr Zeit, um eine Atmosphäre aufzubauen, die irgendwo zwischen Paranoia und Kontrollverlust liegt.

Dass DITZ nicht bloß zehnmal auf denselben Verzerrer treten, beweist schließlich das über siebenminütige Finale „Britney“. Hier schleichen sich beinahe schon atmosphärische, stellenweise an Radiohead oder Mogwai erinnernde Passagen in den Sound. Die Ruhe ist allerdings trügerisch. Am Ende wird auch hier wieder ordentlich Seegang produziert.

„Never Exhale“ entstand zwischen Tourneen, Proberäumen und einem ziemlich straffen Zeitplan. Die Band war unter anderem mit IDLES unterwegs. Dass diese Platte unter erschwerten Bedingungen entstanden ist, passt zu ihrer rastlosen Energie. Hier klingt nichts nach sorgfältig poliertem Studioprodukt. Und das ist verdammt gut so.

Unterm Strich: Auch über anderthalb Jahre nach seiner Veröffentlichung hat „Never Exhale“ nichts von seiner Wucht verloren. Die Platte kratzt, scheppert, rumpelt und fordert Aufmerksamkeit. DITZ liefern einen eigenwilligen Brocken zwischen Noise Rock, Post-Punk und kontrolliertem Chaos, der bei jedem Durchlauf neue Widerhaken ausfährt.

Wer seine Gitarren lieber glattgebügelt mag, sollte einen großen Bogen um diese Platte machen. Alle anderen drehen den Verstärker noch ein Stück weiter auf.

GOLDBUTT-FAZIT: Kein Schönwetter-Post-Punk. Hier gibt's ordentlich auf die Zwölf!