Gitarrenpop für Manikürist:innen. Hier sind die Cuticles

Cuticles aus Neuseeland haben sich mit ihrem 2023 erschienenen Debüt Major Works ziemlich unauffällig, aber nachhaltig in den internationalen DIY-Untergrund gespielt. Keine große Pose, kein Hype mit Ansage – eher eine dieser Platten, die sich langsam herumsprechen und irgendwann bei den richtigen Leuten hängen bleiben. Mit More Joy, erschienen auf Siltbreeze, knüpft die Band ziemlich nahtlos daran an.
Ganz dieselben Cuticles sind es allerdings nicht mehr. Lisa Preston taucht in den aktuellen Credits nicht mehr auf, dafür sind Albert King und Folina Vili mit an Bord. Große Kurskorrekturen bringt das zum Glück nicht mit sich. Cuticles klingen weiterhin wie eine Band, die lieber einen guten Song schief an die Wand nagelt, als ihn so lange glattzuschleifen, bis nichts mehr davon übrig ist.
Und davon gibt es auf More Joy reichlich. Die Stücke sind kurz, direkt und dicht gepackt: Gitarren und Schlagzeug rumpeln sich durch die Songs und gelegentlich hört man ein paar Tasten oder ein Saxophon. Mal kommt der Punk stärker durch, mal wird es beinahe freundlich, bevor irgendwo wieder eine Gitarre quer dazwischenfunkt. Cuticles kommen auf den Punkt, machen ihren Kram und sind meistens schon wieder beim nächsten Song, bevor andere Bands überhaupt mit dem zweiten Refrain fertig wären.
More Joy klingt schließlich nicht nach einer Band, die plötzlich beschlossen hat, alles hübsch auszuleuchten. Die Produktion bleibt roh, die Kanten dürfen stehen bleiben und ein büschen rumpeln gehört offensichtlich zum Konzept. Genau dadurch bekommen die Songs aber diese unmittelbare Energie, die schon Major Works ausgezeichnet hat. Also unbedingt reinhören.